Freiraum - eine Wohnung wird zum Kunstwerk

Künstlerische Sparten: Bildende Kunst
Beteiligte Partner: Kinder- und Jugendkunstschule Palette e.V., Löweneck-Volksschule (Grund- und Hauptschule)
Teilnehmer: Grundschulklasse 4a
Mitarbeiter: KünstlerInnen und KulturpädagogInnen
Zeitraum: von März bis Juni 2002
Intervall der Treffen: jeden Dienstag
Finanzierung:
Ort: 2-Zimmer Wohnung mit Küche und Bad, Klassenzimmer
Thema: Umfeld Stadt
Durchblick

Jahreszeitenzimmer

Taucher

Unterwasserwelt




Zustandekommen der Kooperation:
Die Grundlage für das Projekt bildete ein Kontakt zum Stadtteilbüro, der "Initiative Beratung und Begegnung e.V." im Programm "Soziale Stadt". Das Stadteilbüro ist in einem Gebäude einer Wohnhof-Siedlung der städtischen WohnBauGesellschaft untergebracht.

Kurzbeschreibung:
Von März bis Juni 2002 trafen sich die 18 Kinder der Klasse 4a der Löweneck-Volksschule und die KünstlerInnen und KulturpädagogInnen der Kinder- und Jugendkunstschule Palette jeden Dienstag in einer leeren Wohnung in der Weidachstrasse.
Hier verwandelten sie weiße Zimmer in Phantasieräume und Wunderwelten. 12 Wände wurden gestrichen, Decken und Böden bemalt und mit Stoffen gestaltet. Pinsel, Farben, Eimer, Stoffe, Gips, Nägel, Hammer, Bohrer und Tacker standen zur Verfügung. Vieles davon haben die Kinder der 4a zum ersten Mal benutzt. Unter Anleitung und Betreuung entstand ein "Jahreszeitenzimmer" und eine "Unterwasserwelt". Die Kinder bauten ein Boot mit Rudern, verdunkelten die Scheiben und tauchten das helle Zimmer in blaues Licht. Im dritten Zimmer entstand ein unheimliches Labyrinth: Stoffbahnen von der Decke bis zum Boden wiesen den Weg durch ein geöffnetes Maul, vorbei an einer schaurig beleuchteten Maske
Die Löweneck-Volksschule, eine Grund- und Hauptschule in Augsburg-Oberhausen, liegt in einem Stadtteil mit einem hohen Anteil an Familien mit Migrationshintergrund. Der Direktor der Löweneck-Volksschule hat ein großes Interesse daran, seine Schule für Fachleute von Außen und für Gäste zu öffnen. Auf seine Initiative hin kam der Kontakt mit der Jugendkunstschule Palette zustande. Der Rahmen für das Projekt "Freiraum" wurde abgesteckt und das Vorhaben dem Lehrerkollegium vorgestellt. Die Klassenlehrerin der 4a zeigte großes Interesse am Vorhaben, und die künstlerische Arbeit mit den 18 Jungen und Mädchen begann. "Freiraum" wurde bis auf einzelne Klassenzimmerphasen außerhalb der Schule in einer Wohnung im Stadtteil durchgeführt. Das Projekt "ersetzte" den verbindlichen nachmittäglichen Sportunterricht. Vormittägliche Arbeitsphasen wurden für Vorbereitungen und das Basteln z.B. von Schmetterlingen und Fischen genutzt.
Das Projekt lief von März bis Juni 2002. Auch in den Ferien wurde an der Gestaltung weitergearbeitet. Zu fest vereinbarten Terminen wurde die Wohnung zur freiwilligen und selbstinitiierten Weiterarbeit geöffnet, die Projektleitung war anwesend. Jede Woche hatte eine regelmäßige Arbeitseinheit von vier Stunden. Wegen der Enge der Wohnung wurden die Kinder in Teams aufgeteilt, die nacheinander arbeiteten.
Es gab keine inhaltlichen Vorgaben, die Kinder gestalteten die Wohnung nach ihren Vorstellungen und Ideen. Es entstand ein Jahreszeiten-Garten, ein Geister-Labyrinth und eine Unterwasserwelt.

Ergebnisse und Konsequenzen der Kooperation:
Im Laufe des Projektes hat sich gezeigt, dass die gestalterische Herausforderung für die Kinder sehr groß ist, die bekannten und vertrauten Dimensionen wurden verlassen: Statt eines zweidimensionalen Blattes standen dreidimensionale Räume zur Verfügung, gearbeitet wurde mit Material und Werkzeugen, das den Kindern oft nicht bekannt war. Zudem gab es keine inhaltlichen Vorgaben, selbst die naheliegende Vorgabe eines "Wohn"-Raums konnte gesprengt werden. Die Kinder waren diese Freiheit nicht gewohnt. In ihrer Phantasietätigkeit wenig geübt und anfangs überfordert reagierten sie mit Aggressionen. Erst ganz eindeutige Material- und Ideenimpulse durch die Projektleitung "erdeten" sie wieder und wurden zum Ausgangspunkt für sich dann entwickelnde, eigene Ideen.


Dokumentation:
Im August und September 2002 war die Wohnung für BesucherInnen geöffnet. Im September wurde die gesamte Wohnung wieder in ihren Urzustand zurückversetzt, das Inventar weggeworfen. Der Häuserblock wurde saniert. Die Kinder haben nichts in der Hand als eine große "kollektive" Erinnerung. Jedes Kind erhielt einen 10er Pack Projekt-Postkarten als einzigen Beweis.

Kontakt Kooperationspartner

Außerschulischer Partner: Kinder- und Jugendkunstschule Palette e.V.
Kontaktperson: Katharina Steppe

Schule: Löweneck-Volksschule (Grund- und Hauptschule)