Vorurteile

Künstlerische Sparten: interdiziplinär
Beteiligte Partner: Kindermuseum Labyrinth, sieben verschiedene Berliner Schulen, verschiedene Künstler
Teilnehmer: 32 Kinder der 6. Klasse
Mitarbeiter: Lehrerin für Deutsch und Geschichte, Künstlerin Tanja Schmidt und eine Diplomandin
Zeitraum: Oktober bis November 2001
Intervall der Treffen: fünf Vormittage
Finanzierung:
Ort: Schule
Thema: Interkulturarbeit, Familie



Zustandekommen der Kooperation:
Die Pädagogen vom Kindermuseum Labyrinth in Berlin entwickelten die Idee, ein Forum für die Auseinandersetzung mit dem vielfältigen Thema "Vorurteile" zu schaffen. Sie warben in Schulen und Kindereinrichtungen für ihr Vorhaben und konnten schließlich ein Netz aus sieben Projektgruppen, hauptsächlich an Schulen, aufbauen. Zu jedem Projektteam gehörten neben den teilnehmenden Kindern und den LehrerInnen ein Künstler oder eine Kulturpädagogin und ein Mitarbeiter des Kindermuseums. Jedem Projekt wurde ein Themenvorschlag als Orientierungshilfe unterbreitet, was jedoch letztendlich wie gemacht wurde, entschied das Projektteam selbst. Wichtig dabei war, dass es bei dem Thema nicht nur um den Umgang mit Menschen aus anderen Ländern gehen sollte, nicht nur um ethnische Stereotypen, sondern vielmehr um die Entstehung und Auseinandersetzung mit alltäglichen Vorurteilen, die im gesellschaftlichen Zusammenleben eine Rolle spielen. Während der Projektphase gab es fünf Projekttreffen, auf denen über den Verlauf der einzelnen Projekte berichtet und diskutiert wurde. Zudem fand eine Fortbildungsveranstaltung zum Projektthema statt.

Kurzbeschreibung:
Die Kinder des Romain-Rolland-Gymnasiums in Berlin Reinickendorf stellten sich im Rahmen des Projektes "Vorurteile" die Frage: "Wo sind meine Wurzeln?" Alle SchülerInnen besaßen die deutsche Staatsangehörigkeit, wie sich aber im Laufe des Projekts zeigen sollte, reichten die Wurzeln der meisten Familien in andere Länder, teilweise bis in andere Kontinente. Betreut wurde das Projekt von der Lehrerin für Deutsch und Geschichte, von der Künstlerin Tanja Schmidt und einer Diplomandin.
Die Künstlerin hatte die Idee, mit den Kindern ein übergroßes Buch (50x75cm) zur Frage "Wo sind meine Wurzeln?" zu erstellen: Auf jeder Seite des Buches ist jeweils ein Portraitfoto eines Schülers / einer Schülerin zum Thema "Selbstdarstellung" zu sehen. In dieses Portraitfoto wurden Klappen in verschiedenen Größen und verschiedener Anzahl eingeschnitten. Hinter diesen Klappen befinden sich von den Schülern gestaltete Collagen, Zeichnungen und Texte zum Thema "meine Wurzeln". Das Buch hat damit zwei Ebenen. Zunächst sieht der Betrachter die Portraitbilder der Kinder, dann kann er mit dem Blick hinter die Klappen in die Kinder "hineinschauen". Symbolisch soll damit ausgedrückt werden, dass jeder seine Herkunft in sich trägt und seine Identität durch die eigenen Wurzeln geprägt ist.
Der erste Projekttag begann mit einer Einführung in das Projekt. Die Kinder hatten, vorbereitet durch die Lehrerin, bereits begonnen, in der eigenen Familie Geschichte und Geschichten zu sammeln. Durch die Gespräche mit den Eltern und Großeltern über die Herkunft der Familie erfuhren die Schüler Neues über sich. Durch die Auseinandersetzung mit dem Fremden in sich selbst wurde die Brücke geschlagen zur Auseinandersetzung mit Vorurteilen gegenüber Fremden und Fremdem.
Den künstlerischen Einstieg bildete die Portraits-Fotografie. Die Künstlerin hatte Portraits bekannter Fotografen zur Ansicht und Besprechung mitgebracht. Außerdem spielten die Kinder kurze Szenen, in denen sie Eigenschaften, Stimmungen und Gefühle darstellten. An den folgenden Projekttagen wurden die Portraits-Fotos aufgenommen, Gespräche geführt, Geschichten erzählt. Die Künstlerin Tanja Schmidt zeigte den SchülerInnen die verschiedenen Techniken für die Gestaltung der Bilder hinter den Klappen. Es wurden Collagen geklebt, mit Aquarellkreiden und Graphitstiften gemalt, mit Feder und Tinte Texte schön gestaltet. Zur professionellen Fertigstellung wurde das Buch in eine Buchbinderei gegeben.
Die Projektziele, die sich die Pädagoginnen und die Künstlerin gesetzt hatten, wurden im Projekt weitestgehend eingelöst: Die Kinder haben sich mit dem Thema "Vorurteile" auseinander gesetzt, sie haben ihre Familiengeschichte erkundet und sind auf Unbekanntes und Fremdes in ihrem eigenen Leben gestoßen. Dabei haben sie viel über sich und über die Herkunftsländer ihrer Familien erfahren, eine wichtige Voraussetzung für die Ausbildung einer eigenen Identität und eines wachsenden Selbstbewusstseins. Die künstlerische Herangehensweise hat ihnen eine Sprache, eine Ausdrucksmöglichkeit für die neuen Erfahrungen gegeben.

Ergebnisse und Konsequenzen der Kooperation:
Die gesamte methodische Gestaltung des Projektes war sehr gut gelungen. Zu Anfang war es sehr abwechslungsreich, mit Diskussionsrunde, der Kommentierung der Portraits von bekannten Fotografen und Pantomimespiel. Gegen Ende des Projektes, als dann alle Portraitfotos gemacht waren, konnten die Schüler sich auf die bildnerische Arbeit konzentrieren.
Zu Beginn des Projekts hatten die beteiligten Schüler sehr viele Fragen. Dadurch, dass drei Personen das Projekt betreut haben, waren Gespräche mit Schülern möglich, die zunächst nicht wussten, was sie schreiben oder malen wollten. Auch auf Schüler, bei denen sich Konflikte oder Fragen zur eigenen Herkunft andeuteten, konnte so eingegangen werden. Da die künstlerische Leitung bei der Künstlerin und Kunstpädagogin Tanja Schmidt lag und die anderen Betreuerinnen eher pädagogische Funktion hatten, war eine gute Kommunikation zwischen den Betreuerinnen notwendig.

Dokumentation:
Am Montag, den 11. März 2002, fand eine große Veranstaltung im Labyrinth Kindermuseum in Berlin statt, auf der die Projektergebnisse durch die Kinder und Jugendlichen vorgestellt wurden. Die Kinder wurden von einer Moderatorin interviewt und präsentierten ihre Projektergebnisse auf sehr unterschiedliche Weise. So gab es u.a. ein Vorurteils-Rap, szenische Darstellungen, Breakdance- und Percussion-Vorführungen.

Kontakt Kooperationspartner

Außerschulischer Partner: Kindermuseum Labyrinth
Kontaktperson: Roswitha von der Goltz
Adresse:Osloer Str. 12 13359 Berlin
Fon: 030 / 49913056
Fax: (030) 4948097
E-Mail: kontakt@labyrinth-kindermuseum.de